Die Krankenpflege ist ein Marathon, kein Sprint


„Ich würde gerne für immer in meinem Beruf bleiben“, wünscht sich Celina. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Chantal befindet sich die 20-Jährige in der Ausbildung zur Krankenpflegerin am neurologischen Rehabilitationszentrum Leipzig.

Krankenpflegerin – ein Beruf mit Zukunft

Der Bedarf an Fachkräften im Gesundheitswesen ist aktuell sehr hoch und doch entscheiden sich nur wenige junge Menschen für eine Ausbildung in diesem Bereich. Auch Vorurteile gegenüber dem Beruf spielen eine große Rolle. Doch gerade in der Rehabilitation erwartet junge Menschen ein abwechslungsreicher und spannender Arbeitsalltag: Sie begleiten die Patienten von Termin zu Termin und sind ihre wichtigsten Ansprechpartner: ob Verbandswechsel, Nachverfolgung der Medikamenteneinnahme oder das Datieren aller Ereignisse.

Celina und Chantal trieb eine ähnliche Motivation dazu, die Ausbildung zur Krankenpflegerin zu beginnen. Beide stammen aus Familien, die die bereits in diesem Bereich tätig sind.
Die Auszubildenden zeigten von Anfang an großes Engagement dabei, anderen Menschen zu helfen. Ihre Fortschritte und Entwicklungen über einen längeren Zeitraum sehen zu können bereitet beiden große Freude.

Ihre Aufgaben als Krankenpflegerinnen sind vielfältig: Das Waschen, was sie anfangs ein wenig Überwindung gekostet hat, aber nun wie selbstverständlich geht, ist genauso Teil ihres Jobs wie das Transfertraining, welches darin besteht den Patienten vom Bett in den Rollstuhl zu heben und zur Toilette zu bringen. Mitinbegriffen sind natürlich auch Aufgaben wie das Einhalten von Medikamentenplänen, die Vergabe von Injektionen, Verbandswechsel und das Beibehalten von täglichen Übungen, welche oft von den Therapeuten und Therapeutinnen angeordnet werden.

Der Zusammenhalt im Team half durch die Pandemie

Die Corona-Pandemie traf Celina und Chantal unvorbereitet: Der Anblick ihrer beinahe komplett vermummten Kollegen war anfangs sowohl für die Azubis selbst als auch für die Patienten gewöhnungsbedürftig. Durch den zum Teil ausbleibenden Besuch von Familienangehörigen herrschte eine bedrückte Stimmung. Gerade diese herausfordernde Zeit zeigte, wie wichtig es ist, dass man im Team zusammenhält und zusammenarbeitet. So freuten sich die Patienten umso mehr, wenn zwischendrin doch noch Zeit für ein bisschen mehr Aufmerksamkeit durch das Personal blieb. Hier waren alle Mitarbeiter sehr bemüht. Und dieser Zusammenhalt war es, der dazu beitrug, dass die beiden trotz der Pandemie keine Sekunde an ihrer Berufswahl gezweifelt haben: „Ich würde gerne für immer in dem Beruf bleiben, sofern das möglich ist“, sagt Celina. Die Sicherheit, den richtigen Beruf gewählt zu haben, kam unter anderem auch durch das sehr aufgeschlossene Team am NRZ, bei denen die Zusammenarbeit im Vordergrund steht. Dadurch fühlten sich die jungen Frauen während der gesamten Ausbildung wohl, da sie viel unterstützt und begleitet wurden. Ihren Praxisanleitern sind sie noch immer sehr dankbar, so an die Hand genommen und nicht ins kalte Wasser geworfen worden zu sein. Diese Rücksichtnahme war für die beiden besonders wichtig, da sie unter enormer Prüfungsangst leiden. Doch mithilfe des verständnisvollen Teams konnten sie diese deutlich lindern.

Das Gefühl, ein Leben zu retten, ist unbeschreiblich

Auf die Frage, welche Charaktereigenschaften man neben Sozialkompetenz und Empathie noch mitbringen müsse, waren die beiden sich einig und gaben an, dass Offenheit, Herzlichkeit und Vertrauenswürdigkeit unabdingbare Bestandteile des Berufs seien. Ein freundliches und aufgeschlossenes Auftreten sei ebenso wichtig, nach dem Motto: „Ich mache das, weil ich hier bin und es machen möchte, nicht weil ich nichts Besseres gefunden habe“, fügt Chantal hinzu. Dass die zwei schon vor ihrer Ausbildung emphatische Menschen waren, hat sicherlich geholfen, aber dieser Beruf fördert und intensiviert dies meist noch. Zu ihren größten Erfolgen zählen die beiden, wenn sie zur Genesung von Patienten beitragen können und zum Beispiel miterleben, wie durch einen Schlaganfall gelähmte Personen nach einiger Zeit wieder laufen lernen. Ein unvergessliches Erlebnis für Celina war es, bei einer Reanimation ein Leben retten zu können. „Das Gefühl ist unbeschreiblich, fast surreal. Die Freude hält lange an. Zu Hause waren auch alle stolz auf mich.“

 

Interview von: Antonia Scholten (Praktikantin)

 

  MEHR EINBLICKE/